10 Fragen an Stefan Hippler

Stefan Hippler, 50, ist katholischer Priester und Gründer von HOPE Cape Town, einer Hilfsorganisation in Kapstadt Südafrika

1) Wer bist du? 
Ich bin ein katholischer Priester, geweiht 1986 in Trier. Ich habe 5 Jahre als Seelsorger in Deutschland gearbeitet und danach verschiedene andere Dinge gemacht, u.a. bei McDonalds gearbeitet, in einer Finca in Südspanien gearbeitet, am Frankfurter Flughafen im Sozialdienst, der damals auch für Flüchtlinge zuständig war, gearbeitet und vieles mehr. Das heisst, mein Leben war nicht eintönig gewesen – und ohne alle die Ausflüge ins menschliche Leben wäre ich wohl ein langweiliger Pfarrer geworden.

2) Wie und wann bist du nach Kapstadt gekommen?
Ich bin 1997 nach Kapstadt gekommen. Eigentlich wollte ich nach Mexico City, aber das hat nicht geklappt und Kapstadt war die nächste Möglichkeit. Mein Wunsch, ins Ausland zu gehen lag auch daran, das ich am Frankfurter Flughafen gemerkt habe, das auch Deutschland nach der Passkontrolle rechtsfrei und menschenrechtswidrig handelt – irgendwann wird einem dann alles zu eng.

3) Erzähle von deiner Arbeit als Priester in Kapstadt. Wie lange bist du schon Priester? Ist die Arbeit hier anders als in Deutschland?
Von 1997 – 2009 war ich Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde am Kap,  seit 2002 auch zuständig für Durban. Am 1.10.2009 habe ich dann als ein „Fidei Donum“ Priester eine neue Aufgabe bekommen: Ich arbeite im Auftrage meines Trierer Bistums und der Erzdiözese Kapstadt im HIV/AIDS Bereich für die nächsten 5 Jahre – nebenbei halte ich Gottesdienst in südafrikanischen Gemeinden. Viel Reisen gehört dazu, ich war gerade in München und Rom gewesen und es sind noch eine Anzahl von Reisen geplant für Workshops, Vorträge und politische Lobbyarbeit. Ich soll auch eine Verbindung aufbauen zwischen der Erzdiözese Kapstadt und meinem Heimatbistum Trier – also mehr als genug zu tun.

4) Du bist Gründer der Hilfsorganisation HOPE. Stelle das Projekt vor! 
HOPE Cape Town sollte eigentlich ein kleines Hilfsprojekt im HIV/AIDS Bereich für Doktoren am Tygerberg Kinderkrankenhaus sein. Daraus geworden ist ein grosses Projekt mit jetzt 28 MitarbeiterInnen, die ca. 300 000 Patienten im Jahr sehen. Wir arbeiten in den Bereichen Vorbeugung, Behandlung, Outreach, Kooperation mit Sangomas (südafrikanische Medizinmänner), E-Learning in Kooperation mit verschiedenen Universitäten von Stellenbosch bis München (Sport & HIV)  und Niederrhein (Ernährung & HIV). Vom Gemüsegarten in Mbekweni bis hin zur Doktorandin aus Wüzburg – HOPE Cape Town ist an allem beteiligt. Wir sind auch sehr aktiv im Bereich der Partnerschaft Westkap – Bayern. Es ist eine Vielfalt von Aufgaben und Möglichkeiten – und da wir rein privat finanziert sind, bedeutet das natürlich auch eine gehörige Portion Fundraising für uns. Wer mehr Informationen haben will: www.hopecapetown.com ist unsere Webadresse. Deutsch – Englisch natürlich.

5) In Deutschland kennt man dich aus manchen Medien als "Kondom-Priester". Bitte erkläre das.
Das ist interessant. Ich denke, es kommt daher, dass ich das Kondom als Mittel der Verhütung einer HIV Infektion für wichtig halte. Wir sind in der katholischen Kirche da noch im Lernprozess, was die Gesamtkirche angeht – hier an der Basis geht das Überlegen etwas schneller. In 2007 habe ich auch ein Buch geschrieben, zusammen mit B. Grill. Dieses Buch, in dem ich von meinen Erfahrungen und von theologischen Überlegungen erzähle, hat natürlich nicht jedem in der Kirche gefallen. Und weil Reporter heutzutage sehr holzschnitzartig arbeiten müssen, kam das Kondom wohl zu oft vor in den Rezensionen und Berichten. Damit muss ich leben – es gibt schlimmeres...

6) Du hast sogar schon Angela Merkel getroffen - wo, wann, warum?
Wir erhalten sehr viel Besuch von Politikern. Angela Merkel hat bei ihrem Staatsbesuch 2007 in Südafrika unser Projekt HOPE Cape Town besucht. Das liegt daran, das HOPE Cape Town für die südafrikanischen Behörden ein „flagship of private – public partnership“ ist. Das heisst dass wir ein Modell für die Kooperation zwischen Staat und Zivilbevölkerung, aber auch zwischen Deutschland und Südafrika sind. Es war in der Tat eine sehr angenehme Begegnung, das Interesse der Bundeskanzlerin an dem Thema war spürbar.

7) Du bist immer unterwegs, involviert und "busy" - was sind deine Zukunftspläne?
Das stimmt, ich bin viel unterwegs – meine Zukunftspläne? Ich lebe im hier und jetzt – von daher sind die Pläne bescheiden: Das ich noch etwas länger in dem Bereich arbeiten kann bevor es in den Ruhestand geht. Südafrika hat mein Herz und meine Seele erobert – ich denke, es ist in der Tat meine Heimat geworden – auch wenn ich mich an manche Arbeitsweise oder Art der Problemlösung nicht wirklich gewöhnen kann...

8) Als Deutscher vermisst man gelegentlich deutsche Genüsse ;) - wo holst du dir ein bisschen Nostalgie?
Jawohl,  von den klassischen Gummibärchen bis hin zum Malzbier.. da ich viel reise, habe ich genügend Möglichkeiten, mir ein wenig Nostalgie zu holen.

9) Welche Dinge hast du hier in Kapstadt erlebt, die vielleicht nicht in Deutschland passiert wären?
Wenn ein Polizist, statt mir ein Strafmandat zu geben, mich bittet, ihm ein Angebot zu machen und ich zum Mittagessen der Besatzung beitragen darf/kann/soll/muss.. ich denke, das ist in Deutschland seltener, das man seinen Beitrag zu den „chicken wings“ beim Mittagstisch beiträgt.

10) Was (&wo) ist dein Hot-Spot in Kapstadt?
Ich finde, das es in Kapstadt so viele schöne Ecken gibt… ich finde das „alte“ Cape Quarter mit Brunnen eigentlich sehr idyllisch....

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