Was ist eigentlich … District Six?

Was während der Apartheid im District Six passiert ist, ist heute wichtiger Bestandteil der Geschichte Kapstadts und Südafrikas

District Six ist der Name eines östlich des Stadtzentrums von Kapstadt gelegenen Bezirkes. Aber dieser sechste Stadtteil ist nicht irgendein Bezirk. Im District Six lebten ab 1867 über 60.000 Menschen verschiedener Rassen, Religionen und Hautfarben; Arbeiter, freigelassene Sklaven und Immigranten, die hier in einer vibrierenden, lebhaften Gemeinschaft zusammenlebten - ein Schmelztiegel zahlreicher Kulturen.

Der Bezirk zeichnet sich durch seine faszinierende und doch kontroverse und erschütternde Geschichte aus. Wer an den District Six denkt, hat sofort eines im Kopf: die Zwangsumsiedlung der farbigen und schwarzen Bevölkerung in den 70er Jahren, der Blütezeit der Apartheid in Südafrika.

Apartheid in voller Pracht

Aufgrund der Nähe zu den Häfen von Kapstadt, lebten Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Hafenarbeiter im District Six. Unter ihnen waren viele so genannte Kap-Malaien, viele Farbige, Muslime sowie Xhosa, einer der wichtigsten afrikanischen Stämme. Dies war dem Apartheid-Regime ein Dorn im Auge.

Die Ausgrenzungspolitik wurde immer stärker und die Rassentrennung nahm in Folge dessen immer mehr zu. Der "Group Area Act" von 1958 besagte, dass jede Rasse einen eigenen Bezirk bewohnen sollte. So begann die Regierung mittels Zwangsumsiedlung die verschiedenen Rassen in Kapstadt zu trennen.

Kriminalität als Vorwand 

Mit der Begründung, dass die Kriminalität vom District Six auf die umliegenden (weißen) Wohngebiete übergreife, wurde das Gebiet 1966 von dem Apartheid-Regime zu einer „weißen Zone“ erklärt. Dies war zumindest die offizielle Erklärung für die Zwangsumsiedlung. Aber heute weiß man, dass der eigentliche Hintergedanke war, dass die Weißen in der so genannten City Bowl unter sich bleiben wollten und politische Übergriffe vom District Six befürchteten.

Kurz darauf, im Jahre 1968, wurden die teilweise schon seit Generationen hier lebenden Menschen zwangsumgesiedelt. Die Menschen wurden, je nach dem ob schwarz oder farbig, in die Townships in den Cape Flats umgesiedelt, eine sandige Einöde ca. 25 km von der Innenstadt entfernt. Bis 1982 wurden mehr als 60.000 Bewohner gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, bis das Gebiet praktisch unbewohnt war.

Die Zerstörung des District Six


Der gesamte Stadtteil wurde dem Erdboden gleichgemacht, nur religiöse Einrichtungen wie Kirchen, Synagogen und Moscheen blieben stehen. Seit 1989 liegt der Bezirk unberührt und kein Investor hat es gewagt, den Bezirk in seine Planungen einzubeziehen. Alle sind sich der unmoralischen Vorgehensweise der Apartheid-Regierung bewusst. Neu entstand lediglich das Cape Technikon, ein Universitätskomplex, der zu Zeiten der Apartheid nur weißen Studenten zugänglich war.

Der Wiederaufbau


Bis zum Ende der Apartheid in den frühen neunziger Jahren blieb unklar, was genau mit dem Gebiet geschehen soll. 1994, nach Nelson Mandelas Amtseinführung als Präsident von Südafrika, versprach die Regierung, das Land neu zu bebauen und den ehemaligen Bewohnern ihr altes Zuhause zurückzugeben. Die Planung bewies sich allerdings aufgrund mangelnder Dokumente als extrem schwierig. Viele Menschen wollten auch wegen der schlimmen Erinnerungen gar nicht zurück ins District Six.

Im Jahr 2003 begann der offizielle Wiederaufbau des District Six. Bis Ende des Jahres entstanden 24 neue Häuser und am 11. Februar 2004 übergab Nelson Mandela den greisen Rückkehrern Ebrahim Murat und Dan Ndzabela die Schlüssel zu ihren alten/neuen Häusern. 2005 wurde das Land komplett vermessen und die neu gebauten Häuser vergeben. Das Gebiet ist bis heute teilweise Brachland, einige Bereiche jedoch gehören zu den Stadtbezirken Zonnebloem oder Walmer Estate und sind wieder besiedelt. Nach und nach soll ein „neuer“ District Six entstehen.

District Six Museum

Die interessante Historie dieses Stadtviertels ist im District Six Museum ausgestellt. Das Museum befindet sich in der Buitenkant nahe dem Bahnhof und der Polizeihauptwache. In früheren Jahren war in dem heutigen Museum die Methodist Church untergebracht. Das Museum ist jedem Bürger der Stadt zugänglich, es gibt es eine Fotoausstellung sowie eine Sammlung von Straßenschildern und anderen Dokumenten zu sehen. Es ist außerdem ein Treffpunkt alter Nachbarn aus dem District Six. Auf diese Weise entstand ein Mahnmal der Stadt Kapstadt und lässt das unmenschliche Vorgehen nicht in Vergessenheit geraten.

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