Ein ungezwungenes und farbenfrohes Esserlebnis in Kapstadts Foreshore
Sanddünenspinat und Meeresfenchel
Oep ve Koep hat die Küche der Westküste revolutioniert
Kobus van der Merwe ist ein sehr eigenwilliger Küchenchef. Während seine Weskus-Zeitgenossen Rollmops und Servierteller voller Meeresfrüchte raushauen, kreiert er fantastische Gerichte aus Meeresfenchel und Sanddünenspinat. Als er aus der Küche mit einem breiten Grinsen herauskommt, führt er uns ein bisschen herum. Kobus hatte genug von seiner bisherigen Arbeit und verlies Kapstadt vor knapp anderthalb Jahren, um dort ein Restaurant namens 'Oep ve Eet' zu eröffnen, was damals noch der Teegarten in dem Laden seiner Mutter war. Dieser heißt 'Die Winkel op Paternoster' oder ist auch besser bekannt als Oep ve Koep.
Der Laden selbst ist ein Labyrinth aus all den Schätzen der Westküste, man findet natürlich geerntetes Meersalz, eine große Anzahl an selbst gemachten Marmeladen, eingeweckte Zitronen in großen Glasgefäßen mit Lorbeerblättern und Gewürznelken, Cupcakes mit essbarem Glitzer und vieles mehr. Hier könnte ich mich ganz leicht selbst verlieren.
Oep ve Eet
Der Restaurantbereich befindet sich im Garten hinter dem Haus und ein paar Tische stehen verstreut herum, sie sind mit hellen Afropop-Tischdecken aus Plastik gedeckt. Es gibt auch eine Art Dschungel aus Kräutern, der aus einem alten Boot mit verblasstem blauem Anstrich herauswächst.
Wir setzen uns unter violette Bougainvilleas und Kobus bringt uns die Tafel mit dem heutigen Menü. "Die Gerichte wechseln täglich", sagt er. "Ich versuche immer ein paar Grundnahrungsmittel, wie einen Bobotie oder unseren ausgebackenen, panierten Bokkom-Salzfisch, serviert mit einem pochierten Ei und einer speziellen Beurre-Blanc-Sauce, auf die Tageskarte zu setzen."
Mein Essenspartner und ich teilen uns eine Kürbissuppe für den Anfang, Kobus kommt unserem Wunsch nach und serviert es in einer Tietiesbaai-Emailletasse. Die Suppe ist cremig und mit einem verbleibenden süßen Nachgeschmack, einem Hauch erdiger Bohnen und etwas Lamm-Bouillon.
Danach folgt das Kalamari-Bobotie, eine eigenwillige Kreation des klassischen Gerichts. Diese Ausführung ist tadellos und die Art, wie es angerichtet ist, absolut gelungen. Ich muss anmerken, dass Kobus mich an einen Trend des Landschaftsbaus erinnert. "Ja, es ist nicht besonders neu, aber ich denke, dass meine Kreationen von den Lebensmitteln her eher von der Natur inspiriert sind. Die Westküste ist ein sehr besonderer Ort und ich versuche das auch optisch auf den Teller zu bringen. Dinge, die man in der Wildnis findet, und so ähnlich ist das auch mit dem Wein", sagt er.
Nachdem ich die Hälfte meines Essens probiert habe, tausche ich mit meinem Essenspartner die Teller und lasse mir Sandveld-Kartoffelklöße mit einem Sanddünenspinat, Mandeln und Pilzen schmecken. Während das Bobotie einen geschmacklich süß-scharfen Unterton besitzt, hat dieses Gericht eine etwas feinere Note – sanfte, grobsinnliche Aromen, gepaart mit einer mir bis dahin unbekannten Konsistenz des Sanddünenspinats. Natürlich bedarf es auch eines Nachtischs, also schnappen wir uns zwei Löffel und naschen von dem Feigenbrot und Butterpudding, der mit Sahne und zerbröselten Meringue serviert wird.
Als wir fertig sind, setzt sich Kobus zu uns und wir reden darüber, wie die Einheimischen auf seinen avantgardistischen Stil reagiert haben. "Es hat eine Weile gedauert, bis die Leute sich daran gewöhnt haben", sagt er, "am Anfang stand es ein bisschen auf der Kippe, denn die Kunden wollten Fisch & Chips und nicht den Sanddünenspinat und den Meeresfenchel. Ich musste erst Überzeugungsarbeit leisten."
Schon bald darauf befinden wir uns beim Thema der Beschaffung seiner ungewöhnlichen Zutaten für seine außergewöhnlichen Gerichte. Sucht er die Sanddünen und die Sumpfgebiete ab? "Da muss man ein bisschen anders herangehen", erzählt er, "entweder baut man seine eigenen Pflanzen an oder man findet das Gesuchte in den Gärten anderer Leute oder auf verlassenen Grundstücken. Das Cape Columbine Nature Reserve ist perfekt für den Sanddünenspinat, aber es ist halt geschützt."
Nachhaltigkeit ist auch fest verwurzelt mit seiner Essensphilosophie. Kobus ist ein großer Verfechter der SASSI Initiative, die im südlichen Afrika für ein bestanderhaltendes Wirtschaften eintritt, aber dies stellt ein Problem für seine unverkennbare Zutat in seinen Gerichten, den Bokkom-Fisch, dar. Denn dieser Fisch befindet sich mittlerweile auf der 'Orangenen Liste', die Bestände sind also gefährdet. "Ich züchte meine eigenen Fische und nehme anstatt des Bokkom-Fisches den Maasbankers, eine Cape Horse Makrele, die aber fettiger ist und deshalb anders zubereitet wird."
Kobus gibt uns als Abschiedsgeschenk ein selbst gebackenes Ciabatta und ich bin mir sicher, dass, sobald es wieder den Meeresfenchel gibt, ich ohne Wenn und Aber wieder hier sitzen werde.
von Malu Lambert
Oep ve Koep
St Augustine Road | Paternoster | Western Cape | +27 (0)22 752 2105
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 9 Uhr bis 17 Uhr und Sonntag von 9 Uhr bis 15:30 Uhr
Das gibt's außerdem zu tun in Paternoster und hier kannst du übernachten.
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