Besuch im Kinderheim

"Home from Home" im Township Khayelitsha in Kapstadt

Um mir selbst ein Bild von einem Projekt zu machen, das von den Schülern der Deutschen Schule Kapstadt unterstützt wird, fahre ich zusammen mit Brigitte McKee, Lehrerin an der Deutschen Schule, Gründerin und Leiterin des Clubs K.I.D.S., an einem Donnerstagvormittag in den Township Khayelitsha.

Etwa eine halbe Stunde dauert die Autofahrt bis zum Kinderheim und je weiter wir uns von Kapstadt entfernen, desto mehr wird mir bewusst, dass wir gleich einen Township betreten werden, von dem ich zwar schon einiges gehört und gesehen, aber nie so hautnah erlebt habe.

Wir fahren an Blechhütten vorbei, die kein Ende zu nehmen scheinen. Auf der Straße befinden sich Menschen, die neugierig ins Auto schauen, als wir an ihnen vorbeifahren. Am Kinderheim von der Organisation ‘Home from Home‘ angekommen, laufen die Kinder sofort an den Zaun und winken uns. Sie freuen sich über den Besuch.

Home from Home
Toni, die Projekt-Managerin, bittet uns herein. Das Kinderheim ist ein kleines Gebäude. Ein Schlaf- und Spielraum für die Kinder, ein Küche, ein Büro. Dort erzählt sie, wie das Projekt entstanden ist und wie es sich bis zum heutigen Tage entwickelt hat.

In Südafrika leben ca. 49 Millionen Menschen. 18 Millionen müssen mit weniger als R20 (ca. 2 €) pro Tag auskommen und 5 Millionen Menschen haben sogar weniger als R5 (ca. 0,50 €) am Tag zur Verfügung. Die Arbeitslosenquote liegt bei 45% und dann gibt es noch HIV. So ist es nicht überraschend, dass die Menschen Unterstützung benötigen.

Die Idee für dieses Projekt stammt von Jane Payne und Pippa Shaper und besteht seit 2005. Sie wollten den Kindern helfen, indem sie ein Netzwerk von kleinen, unterstützenden und begleitenden Pflegeheimen aufbauten, die auf der dortigen Community basieren. Der Fokus lag auf der Erweiterung der Lebensqualität für kleine Kindergruppen. 

Home from Home bietet den Kindern, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, ein Zuhause. Sie wachsen in einer kleinen Familiengemeinschaft auf, mit einer stetigen Mutterfigur, anstatt einer Auswahl an vielen Betreuern und bekommen so die Liebe und Fürsorge, die sie nur von einer Mutter bekommen können. Die Kinder besuchen eine lokale Schule, spielen mit ihren Freunden und werden so in die Gemeinde integriert. 

Die Mitarbeiter
Toni ist seit 2008 dabei. Vier Erzieher, ein Koch, drei Assistenten und sechs Hausmütter kümmern sich um die 36 Kinder. 

Helen ist eine der sechs Hausmütter. Jede Hausmutter betreut jeweils sechs Kinder - ihre eigenen Kinder und Pflegekinder. Bei Helen wohnen 4 Jungen und 2 Mädchen. Toni nimmt uns in ihrem Auto mit und zeigt uns Helens Heim. Alle Häuser der Hausmütter sind gleich aufgebaut und unterscheiden sich nicht von den anderen Häusern in der Gegend. Sie sollen nicht auffallen.  

Helen und ihre sechs Sprösslinge leben in einem kleinen Haus mit Küche, Wohnzimmer, 2 Kinderzimmern – eins für die Jungs, eins für die Mädchen – und einem Zimmer für sich selbst. “Die Mütter werden mit den Basics ausgestattet.“, erzählt Toni, “dazu gehören Mikrowelle, Kühlschrank, Waschmaschine und Wäschetrockner.“ Im Wohnzimmer steht ein Fernseher und in den Kinderzimmern sind Etagenbetten aufgebaut. Ein wirklich schönes Zuhause für die Kinder. 

Die Hausmütter erhalten keinen Lohn von der Regierung – sie werden ausschließlich von der Organisation Home from Home unterstützt und haben 5 Tage im Monat frei. Väter spielen in der Erziehung keine große Rolle, aber das ist normal für die Kultur. Mütter erleiden oft einen Nervenzusammenbruch, weil sie mit der Erziehung überfordert sind. Die Kinder werden dann von Home from Home aufgefangen.

Fast alle Kinder bei Home from Home sind HIV positiv und brauchen somit besondere Pflege. Sie werden von den Hausmüttern zu ärztlichen Untersuchungen gebracht und alle Betreuer wissen um die Wichtigkeit der medikamentösen Versorgung.

Neben der Pflege der Kinder bietet Home from Home Workshops und Informationsabende für die Menschen aus den Communities an, die sehr gut angenommen werden. Vor kurzem konnten Toni und ihre Mitarbeiter einen Computerraum einrichten, um den Menschen aus der Community PC-Grundkenntnisse beizubringen und ihre Workshops neu zu gestalten. Hilfe zur Selbsthilfe – das ist das Motto.

von Alexandra Pisek 


"Home from Home" ist ein Kinderheim, welches vom Projekt K.I.D.S. der Deutschen Schule Kapstadt unterstützt wird. Mehr dazu findest du hier.

Weitere Informationen zu "Home from Home".  

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