Wer ist eigentlich... Desmond Tutu?

Wenn man an berühmte Menschen aus Südafrika denkt, fällt einem gleich der Anti-Apratheid-Held Desmond Tutu ein. Er ist anglikanischer Erzbischof, Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger

"Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land."

Desmond Mpilo Tutu wurde am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp, Südafrika, geboren. Mit 12 Jahren zog er mit seiner Familie nach Johannesburg. Sein großer Traum war es, Arzt zu werden, seine Eltern konnten sich die Ausbildung jedoch nicht leisten und so wurde er Lehrer. 

Da die südafrikanische Regierung gesetzlich verordnete, dass farbige und schwarze Kinder eine schlechtere Ausbildung erhalten sollten als weiße, gab Desmond Tutu den Lehrerberuf auf und entschied sich, anglikanischer Priester zu werden.


Der Bürgerrechtler
Sein Entschluss, den Lehrerberuf wegen politischer Vorgaben aufzugeben, ließ Tutu zunehmend selber politisch aktiv werden. Seit Anfang der 1970er Jahre nutzte er seine Vorträge, um auf die Situation der schwarzen Bevölkerung aufmerksam zu machen.

Mit seiner Wahl zum Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrats 1978 konnte Tutu auch mit Zustimmung fast aller Kirchen seine Arbeit gegen die Apartheid fortführen. Es gelang ihm, das Interesse der Weltbevölkerung durch seine Publikationen und Auslandsreisen immer stärker auf die innenpolitische Lage in Südafrika aufmerksam zu machen.


Der Friedensnobelpreis und das Ende der Apartheid
Dazu trug auch die Vergabe des Friedensnobelpreises an Tutu 1984 bei. Er wurde "für seine Beiträge zur Beendigung der Apartheid in Südafrika" ausgezeichnet. Der Staatsapparat konnte sich der Persönlichkeit Tutus nicht mehr entziehen. Die Ausstrahlung, die von dem Mann ausging, vor allem sein unerschütterlicher Glaube eines gewaltlosen Wandels, zog nun immer mehr weiße Südafrikaner in seinen Bann.

"Ich hätte nicht den Friedensnobelpreis bekommen, wenn ich nicht gegen jede Form der Gewalt wäre - gegen die Gewalt eines Unterdrückerregimes wie auch gegen die Gewalt der Leute, die ein solches System bekämpfen", sagt er.

Tutu predigte von einer Aussöhnung zwischen den beiden Bevölkerungsschichten. Er argumentierte, dass wenn der schwarze Mann nicht frei sei, es der weiße erst recht nicht sein könne, da dieser sonst in ständiger Angst vor dem schwarzen Mann leben müsse. Diesen Kreis zu durchbrechen, könne aber nur gelingen, wenn den Schwarzen ein gleichwertiges Leben ermöglicht werde.

Desmond Tutu wurde zusehends zu einer Symbolfigur der Schwarzen und sowohl als Gesprächs- wie auch Verhandlungspartner von Seiten der Regierung akzeptiert. Sein Ziel der Beendigung der Apartheid wurde schließlich Wirklichkeit. Bei der ersten freien Wahl in Südafrika 1994 machte er vor Freude einen Luftsprung.


Israel und die Rechte der Palästinenser
Desmond Tutu setzt sich außerdem für die Rechte der Palästinenser ein, Israels Politik bezeichnet er in einem Kommentar des Guardian im Jahre 2002 als "Apartheid": "Mein Besuch im Heiligen Land hat mich zutiefst erschüttert; es erinnerte mich so sehr an das was uns Schwarzen in Südafrika zugestoßen war. Ich sah die Demütigung der Palästinenser an den Checkpoints und Straßensperren, die leiden mussten wie wir, als uns junge weiße Polizisten der Bewegungsfreiheit beraubt hatten."

Desmond Tutu gilt ferner als ein Unterstützer der Rechte von homosexuellen  Paaren. Seine Kirche in Südafrika unterstützte die Eheöffnung für homosexuelle Paare in Südafrika, die die seiner Kirche nahe stehende Partei ANC parlamentarisch befürwortete.


Ruhestand
Desmond Tutu verkündigte im Juli 2010, dass er im Oktober 2010 in den Ruhestand gehen wolle. Nach über 30 Jahren im Öffentlich Dienst sei es Zeit, sich zurückzuziehen, sich um seine Familie zu kümmern und Cricket zu schauen. Sein Leben lang hat er für die Rechte der Schwarzen gekämpft. Nun ist Desmond Tutu müde geworden. Doch so ganz zur Ruhe setzen will er sich auch nach seinem 79. Geburtstag nicht: Mindestens bis Februar 2011 will er noch einen Tag pro Woche im Büro verbringen.

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