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Ubomi – Ein tolles deutsch-südafrikanisches Projekt für Township-Kinder

Hannover und Khayelitsha trennen fast 10'000 Kilometer Distanz (Luftlinie). Doch die Kinder-Liebe von Biggi Hägemann kennt keine Entfernung. Ende Januar eröffnet sie im Township das zweite Haus für Kinder in Not.

12.Februar 2018

Armut, Perspektivlosigkeit, Kriminalität. Das ist der traurige Alltag von über einer Million Menschen in Khayelitsha, einem der grössten Townships in Südafrika. Entstanden ist das Gebiet 1985, während der Apartheid, als Wohngebiet für Schwarze. 

Es ist früher Nachmittag. Die Sonne brennt auf meinen Kopf, als ich aus dem Auto aussteige und auf ein buntes Haus zulaufe. Mitten zwischen Wellblechen, Dreck und Abfall steht ein Gebäude, verziert mit Hand-Abdrücken und wilden Bemalungen, darüber steht in grossen Buchstaben «UBOMI». 

Das UBOMI Haus im Township

Aus der offenen Türe strömt lautes Kindergelächter. Ich trete ein und plötzlich wird’s ruhig. Die Kids haben mich bemerkt, mustern mich. Kurzes Gekicher. «Umlungu! Umlungu! (dt. Weisser Mensch)», rufen einige und beginnen zu tuscheln. Gut 20 Kinder sitzen hier im ersten Aufenthalts-Raum, der gleichzeitig als Küche fungiert. Auf kleinen bunte Stühlen erzählen sie sich noch buntere Geschichten. Ich setz mich dazu. «Wenn ich Gross bin, möchte ich gerne Handballer werden!», erzählt mir ein 10-Jähriger Junge. Die Frage, ob er denn weiss, wie man Handball spielt, verneint er. Das ist aber nicht schlimm. Viel wichtiger ist: Die Kinder bei Ubomi haben ein Ziel vor Augen. Zukunftspläne. Zu verdanken haben sie dies den Gründern Biggi Hägemann und Thomas Meisterknecht, sowie dessen Frau Khosi.

2014 ist das Jahr, als Biggi einen Entschluss fasst: Als Touristin, zum ersten Mal in Südafrika, geht sie ins Township Khayelitsha. Berührt von den Umständen, wie die Menschen hier leben müssen, beschliesst sie  zu helfen. Ihr Ziel: Ein Projekt IM Township, und nicht wie viele andere ausserhalb des Armen-Viertels.

Gesagt, getan. Zusammen mit Thomas und Khosi baut sie das erste Haus in Khayelitsha. Im Januar letzten Jahres öffnen Sie ihre Türen. Einzige Voraussetzung: «Die Kinder müssen zwischen 6 und 11 Jahre alt sein und in die Schule gehen. «Denn wir wollen und können kein Schul-Ersatz sein», sagt Biggi.
Das von Spenden finanzierte Projekt ist ein voller Erfolg. «Schon nach kurzer Zeit kamen weit mehr als 30 Kinder jeden Nachmittag zu uns.»

Das UBOMI-Haus bei der Eröffnung

Bei Ubomi kriegen die Kleinsten der Kleinen das, was in Europa fast überall normal ist: Liebe, Zuneigung, Aufmerksamkeit. «Es ist wie eine Insel, wo die Kinder, wenn auch nur für kurze Zeit, weg von den schlimmen Umständen in ihrem Alltag sind.»

Von Mordzeugen bis hin zu Vergewaltigungsopfern  - die Liste, was einige dieser Kinder durchmachen mussten ist lang, zu lang, und auf keinen Fall tragbar.

Zurück im Haus. Ich betrete den zweiten Raum. Es ist das Zimmer der Jugendlichen. Eigentlich schon über dem erlaubten Maximal-Alter, fungieren sie als «Team-Leiter» und unterstützen die Hauptbetreuer. Ein Mädchen schreibt gerade die Haus-Regeln auf. «Die Vorschriften einzuhalten ist nicht schwer», sagt sie. «Ausser vielleicht, dass wir nicht zu laut schreien dürfen.» Ihre Lippen formen sich zu einem kurzen Lächeln, dann schreibt sie die weiteren Regeln auf: halte diesen Ort sauber, stehle nicht, respektiere die anderen, gehorche. Biggi erklärt: «In unserem täglichen Life-Skill-Training mit den Kindern, sind Respekt und Toleranz zwei der wichtigsten Dinge.» Und was wenn sich jemand nicht daranhält? «Wir wollen den Kindern beibringen, dass ein Fehl-Verhalten Konsequenzen zur Folge haben kann. Stiehlt ein Kind zum Beispiel mehrere Male etwas, haben wir auch schon temporäre Hausverbote ausgesprochen.» Auch wenn das auf den ersten Blick hart erscheinen mag, bei Ubomi haben die Kinder die Chance, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen – was mir die stolzen Team-Leiter auch bestätigen.

Essenszeit. 30 hungrige Mäuler müssen gefüttert werden. Für viele die einzige Mahlzeit am Tag. Zwei dicke Brote mit frischen Tomaten und Käse stehen auf dem Speiseplan. Bemerkenswert: Egal wie gross der Hunger der Kinder auch ist, die Teller werden vorbildlich weiter gereicht. Zuerst kriegen die Kleinen, dann die Grösseren. Zu keinem Zeitpunkt herrscht Hektik oder Chaos. Artig bedanken sich die Kinder, gewisse bieten mir sogar einen Bissen an. Vor einem Jahr wären diese Verhaltens-Weisen bei einigen Kindern noch undenkbar gewesen. Und genau das ist Biggis Motivation: «Es ist unglaublich schön zu sehen, wie gut sich die Kinder entwickeln, wenn man ihnen einen familiären Ort zur Verfügung stellt.»

Die Älteren beim Mittagessen

Ihre Aussage wird geradezu unterstrichen, als die Kinder nach dem Essen stolz ankündigen, ein Programm vorbereitet zu haben. Die Tische werden beiseite geschoben und der Aufenthaltsraum zur Bühne umfunktioniert. Von afrikanischen und amerikanischen Tanzstücken, bis hin zu Schauspiel- und Sing-Einlagen werden mir und Biggi alles geboten. Am Schluss, unter tosendem Applaus, wenden sich die Akteure persönlich an Biggi und danken ihr für alles, was sie hier aufgebaut hat. Es sind ergreifende Worte, voller Emotionen, die ehrlicher nicht sein können. Und obwohl diese Kinder nichts haben, geben sie doch soviel zurück.

 

Biggi ist Noch lange nicht am Ende 

Für Biggi ist klar: Das war erst der Anfang! Es sollen noch viele weitere Häuser in den Townships errichtet werden. Ende Januar wurde das zweite Haus in Gugulethu fertig gestellt und wird derzeit von 30 Kindern genutzt. «Mein Traum ist es, in den nächsten Jahren 100 Ubomi-Häuser zu errichten», sagt sie. Nur dafür braucht die Non-Profit-Organisation finanzielle Unterstützung. Auf dem Blog der offiziellen Ubomi-Website erfährt ihr täglich Eindrücke aus den UBOMI-Häusern. Auch auf den Sozialen Medien ist Ubomi vertreten (einfach HIER klicken). Und falls ihr für dieses wohltätige Projekt etwas spenden möchtet, dann einfach HIER klicken. Schon mit einer monatlichen Spende von 10 Euro ermöglicht ihr etwas ganz Entscheidendes: eine warme Mahlzeit pro Tag für ein Kind.

Kinder aus dem Township 

Übrigens: Ganz zum Schluss erfahre ich auch, wieso der kleine Junge Handballer werden will, ohne es jemals gespielt zu haben: Biggi hat nach meinem Besuch ein Handball-Verein angekündigt. Es zeigt ein weiteres Mal, welch kleine Dinge das Leben eines Kindes in Khayelitsha, zumindest temporär, verändern kann.

- von Andreas Hobi

Die Township-Kinder posieren mit Reporter Andreas Hobi

Auch über einmalige oder wiederkehrende Spenden freut sich das Ubomi-Team sehr!

Die Bankverbindung:

Kontoinhaber: Ubomi e.V.
IBAN: DE95 2505 0180 0910 3547 40
SWIFT-/BIC-Code: SPKHDE2HXXX
Kreditinstitut: Sparkasse Hannover

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