Wenn Fotografie Politiker überzeugt, 37.5 Mio. Dollar in das Gesundheitswesen zu stecken

Der Kapstädter Dokumentarfotograf Damien Schumann spricht über seine Arbeit

"Die Art, wie ich Dinge anpacke, ist nicht gerade üblich", sagt Damian Schumann (der mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammenarbeitet). Die Arbeit des Fotografen und Installationskünstlers ist inspiriert von aktuellen, gesellschaftlichen Problemen und menschlicher Gerechtigkeit. Das Wesentliche seiner Kunst liegt nicht nur in der Schaffung des Gegenstands und der Symbolik, sondern auch in der Wirkung, die seine Kunst auf die Betrachter hat.

Er bekam das Lob des Erzbischofs Desmond Tutu, überzeugte Bill Gates, die Menschen aufzusuchen, die Schumann fotografiert hat und hat mit der Unterstützung von RESULT Australien die australische Regierung angetrieben, den 'Millennium Development Goals' näher zu kommen. Dieses Ziel war es, Indonesien 75 Mio. Dollar Schulden zu erlassen unter der Bedingung, dass davon 37.5 Mio. Dollar in das Gesundheitswesen gesteckt werden. In der Kunstwelt hat Schumann in sechs Ländern und auf vier Kontinenten ausgestellt. Der 29-jährige Dokumentarfotograf studierte an der Ruth Prowse School of Art in Kapstadt und hat sein Studio in Kapstadts Roeland Street. Wir sind froh, ihn dort anlässlich all unserer Fragen zu treffen.

Wer bist du?
Ich bin Damien Schumann, ich bin ein Fotograf und ein Installationskünstler. Zur Zeit basiert meine Arbeit sehr auf der visuellen Anthropologie. Ich versuche neue Wege des Dokumentierens zu finden und Menschen zu erforschen und außerdem auch neue Möglichkeiten zu finden, die vorhandenen Ergebnisse zu repräsentieren.

Wie bist du in die Fotografie hineingeraten?
Ich bin fast durch Zufall Fotograf geworden. Ich war eins der Kinder, die eine Menge Fragen stellten und wenn ich fragte, bekam ich immer ein 'darum' als Antwort. Ich wollte die richtigen Antworten herausfinden. Ich begann viel zu reisen. Ich hatte eine ganz besondere Reise. Ich verbrachte fast zwei Jahre damit, im Mittleren Osten und Asien zu leben. Während dieser Zeit wohnte ich mit einem Fotografen zusammen, so erfuhr ich, was ein Dokumentarfotograf tat. Zu diesem Zeitpunkt drehten sich bereits alle meine Reisen um Menschen. Ich komme in einem Land an, treffe Menschen, wohne bei ihnen und sehe wie sie leben, essen, schlafen…

Seit wann bis du nun ein Fotograf?
Es begann damit, dass ich mir 2002 in Thailand meine eigene Kamera kaufte. Ich brachte meine erste Ausstellung Ende 2003 hervor und gewann meine ersten Kunden 2005.

Mit was bist du derzeit beschäftigt?
Mein laufendes Projekt heißt 'Retrospect', seit 2006 dokumentiere ich eine Gruppe von Menschen und jedes Jahr gehe ich zurück. Alle diese Menschen hatten Tuberkulose. Ich wollte wissen was geschieht, wenn es ihnen besser geht.

Wow…das könnte eine gute Vorlage für ein Buch sein…
Das wird eine gute Vorlage für ein Buch. Das wird das Endprodukt sein. Wir starten die erste Ausstellung nächsten Monat, aber ich führe meine Shootings fort.

Was machst du sonst noch?
Ich beschäftigte mich mit einem Projekt in der Gemeinde von Brooklyn und forsche für ein anderes Projekt über Männlichkeit in Südafrika. Aber ich habe mit dem Shooting noch nicht begonnen, deswegen möchte ich lieber nicht zu viel verraten.

Wie arbeitest du?
Ich habe mir selbst ein Gesetz auferlegt: Ich möchte ein Medium präsentieren, dass sich nicht auf irgendein Profil beschränkt, sondern etwas erschaffen, dass den Inhalt meiner Arbeit am besten wiedergibt.

Wie würdest du deinen Fotografie-Stil beschreiben?
Ich arbeite nicht nur für Magazine oder Kunstgalerien, es gibt kein alleiniges Medium, dass ich verwende. Ich halte wirklich alles über Menschen fest. Bis kürzlich viele Kunstgalerien sagten, dass meine Arbeit zu dokumentarisch sei und der Dokumentarist sagt, es ist ein wenig zu gekünstelt. Ich bin dabei, eine Nische zu finden. Ich denke, die beste Art meine Kunst zu beschreiben ist 'visuelle Anthropologie'. Ich dokumentiere Leute auf kreative Weise, dabei ist die Kamera eindeutig mein wichtigstes Instrument, jedoch beschränke ich mich nicht nur darauf.

Wo können wir deine Werke betrachten?
In meinem Studio, das sich auf der Roeland Street Nr. 18 über der Buchhandlung befindet.

Bist du in der südafrikanischen Fotografenszene bekannt?
Ich denke, dass ich tatsächlich im Ausland bekannter bin. Ich habe ein paar Schwierigkeiten gehabt, mich in Kapstadt zu etablieren.

Ausland bedeutet...?
Zurzeit bekomme ich viel Aufmerksamkeit von Mexiko und den Vereinigten Staaten geschenkt. Ich habe viel an den Grenzen von Mexiko und den USA gearbeitet und meine Ausstellungsreihe reiste dort durch einige Museen.

Wann warst du dort?
Ich habe drei Reisen nach Mexiko gemacht, um meine Werke auszustellen und neue hervorzubringen. Vieles von der Arbeit, die ich an der Grenze getan habe, hatte sozialen Hintergrund. Also haben wir die Arbeit, die wir in den Gruppen dokumentiert haben, zurückgestellt und gleichzeitig zu internationalen Konferenzen mitgenommen, um Ressourcen zu sichern und zu helfen.

Wie bist du da hineingeraten?
Das erste Mal reiste ich 2008 zur World Aids Conference nach Mexiko. Ich reiste mit der World Health Organization, in der Hoffnung, mehr Aufmerksamkeit für die Co-Infektion von TB und HIV zu bekommen. Im März werde ich erneut rüber fliegen und wir werden über das nachfolgende Projekt sprechen.

Bist du finanziell erfolgreich?
Ich bin nicht dabei ein Millionär zu werden, aber ich habe jeden Monat ein wenig Geld auf meinem Bankkonto. Ich bin nicht sicher, wie es dahin gekommen ist. Denn ich habe nie über Geld nachgedacht und habe immer das getan, was mich interessiert hat und irgendwie kam das Geld einfach rein.

Was sind deine Ziele?
Meine Arbeitsmethodik zu entwickeln und zu entfalten. Meine Werke werden dieses Jahr noch an der Princeton University ausgestellt. Hoffentlich wird dies der Anfang davon sein. Ich möchte diese Forschungen nicht um meinetwegen anfertigen, sondern auch versuchen sie in die Gesellschaft einzubringen.

Welches Feedback bekommst du?
Das ist sehr unterschiedlich. Die Werke sind da, um die Leute aufzurütteln. Einerseits kommen die Menschen raus und sagen, dass sie es lieben andererseits sagen sie, dass sie es hassen. Wir konnten 37.5 Mio. Dollar durch eine Ausstellung in das indonesische Gesundheitssystem stecken. Die südafrikanische Regierung drohte mir mit einer Anklage, da sie der Ansicht war, ich würde das Land schlecht darstellen. Es war übertrieben, sie hatten keine Grundlage dafür. Es gibt definitiv Resonanz. Es gab Menschen in der Gemeinschaft, die sagten sie hätten Unterschiede im Grad der Stigmatisierung, dem Anstieg von Wissen und Bildung gesehen. Wir hatten Leute in der Gemeinschaft, die zu Beratern und Aktivisten wurden.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung in Kapstadt?
Ich liebe die Vielfalt dieser Stadt. Ich liebe es, dass ich jeden Moment in einer komplett anderen Welt sein könnte. Ich liebe die Atmosphäre in der Stadt, alles von kleinen Coffee-Shops angefangen, bis hin zu den Menschen, die man auf den Straßen trifft. Die Vielfalt des Straßenlebens. Und in 10 Minuten Entfernung kann man auf einen Berg steigen. Zwanzig Minuten später ist man in einem Township. Ich blühe auf in dieser Vielfalt.

von Antonia Heil


Besuche Damien Schumanns Studio in 18 Roeland Street in Gardens (+27 (0)73 567 3731).

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