Lieber überhaupt einen Einfluss, als gar keinen Einfluss

Chantel Daniels spricht über aktuelle Probleme in südafrikanischen Gemeinden wie Ocean View, Freiwilligenarbeit in Kapstadt und deren Auswirkungen auf die Gemeinden

Stelle dich bitte kurz vor.
Mein Name ist Chantel Daniels, ich habe Public Relations und Travel an der CPUT studiert und sieben Jahre Teilzeit bei AVIS gearbeitet, während ich studiert habe. Ich habe auch drei Jahre lang für eine NGO namens ICV in Claremont gearbeitet. Im Moment betreibe ich eine Freiwilligenorganisation und Reiseunternehmen namens Volunteer Mzansi Afrika. 

Was war ausschlaggebend dafür, dass du in dem Bereich der Freiwilligenarbeit anstatt dem Unternehmensbereich arbeiten wolltest?
Da ich aus einer Gemeinde wie Ocean View stamme und sehe, wie die Jugend keine Visionen hat und denken, dass sie bestimmte Dinge nicht erreichen können, war mir klar, dass ich etwas für meine Gemeinde tun will und etwas zurückgeben will. Das ist der vordergründige Grund, warum ich studiert habe. Natürlich hätte ich auch einfach wieder in den Unternehmensbereich zurückgehen können, aber das war nicht das, was mir am Herzen lag.

Aber warum hast du dann nicht Sozialwissenschaften studiert, thematisch liegt das wohl näher an den Problemen, die du bewältigen wolltest?
Mit der Persönlichkeit, die ich habe, möchte ich Leute schützen. Zum Beispiel, wenn es einen Fall von Missbrauch gäbe und ich würde davon erfahren, dann würde ich mich wirklich so fühlen, dass ich diese Person retten müsste. Das ist auch der Grund, warum ich nie eine Sozialpädagogin hätte sein können, weil ich die Arbeit mit mir nach Hause tragen würde. Ich wusste, dass ich etwas für meine Gemeinde tun würde, aber eher in der Art einer sozialen Verbesserung. Durch mein Studium weiß ich, wie man eine Organisation führt und wie man Menschen dadurch helfen kann, indem man sie befähigt sich selbst zu helfen, als dass ich jemanden retten muss.

Da wir gerade von der Gemeinde Ocean View reden, welche Probleme gibt es dort im Moment?
Es gibt jede Menge sozialer Probleme, wie Drogenkonsum unter Jugendlichen, Teenagerschwangerschaften und es gibt auch viele alleinerziehende Mütter. Und Väter, die ihre rechtmäßige Rolle nicht wahrnehmen wollen. Betreffend der Kinder, gibt es einen Mangel an Motivation, weil sie die Unterstützung der Eltern nicht erfahren. Wenn der Vater oder die Mutter arbeitslos ist, dann ist es natürlich schwierig, über den Tellerrand hinausschauen zu können. Auch gibt es ein Problem mit den Rechenkenntnissen und der Literalität der Kinder. Vielleicht sind unsere Lehrer so gestresst, dass sie den Kindern nicht die nötige Aufmerksamkeit geben können. Einige der Schüler haben auch soziale Probleme zu Hause, vielleicht gibt es dort missbräuchliche Situationen oder sie gebrauchen sogar Drogen und dann muss der Lehrer versuchen, den Kindern etwas beizubringen. Ich glaube es ist schwierig für die Lehrer, auch weil die Klassen zu groß sind. Auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit haben manche der Kinder nichts zu essen und dann müssen sie versuchen sich in der Schule zu konzentrieren. Aber wie soll man sich mit leerem Magen konzentrieren können? 

Wie kann man diese Probleme angehen?
Mit Erziehung und Bildung. Innerhalb von Schulen ist es den Schülern immer noch nicht klar, dass Bildung sehr wichtig ist, weil einfach der innere Antrieb fehlt. Wenn man den Nutzen der Bildung nicht erkennen kann, wie will man dann eine gute Ausbildung anstreben? Und ich denke durch den Freiwilligendienst, den ich anbiete, und damit ausländische Freiwillige in die Gemeinden hole, haben die Kinder die Chance mit anderen Menschen von anderen Ländern zu sprechen und durch positive Beispiele der Freiwilligen motiviert zu werden. Wenn sie zum Beispiel mit einem jungen Amerikaner sprechen, dessen Eltern sich getrennt haben, als er jung war und er trotzdem seine Träume verfolgt und neue Sachen erlernt, kann dieser Junge ein Vorbild für die Kinder sein. Durch die 'Ich bin - Initiative', die ich ins Leben gerufen habe, fördern wir sechs Schulkinder, indem wir ihre Schulgebühren zahlen und mit ihnen bestimmte Ausflüge unternehmen. Wir gehen ins Theater oder zum Strand, wir unternehmen etwas mit ihnen, das sie sonst nicht machen würden. Stell dir vor, diese Kinder sind ihr ganzes Leben in Kapstadt, waren aber noch nie im Theater, auf dem Tafelberg oder nachts in der Stadt. Eine weitere Aktion ist, dass diese sechs Kinder die Möglichkeit erhalten für eine oder zwei Stunden in die Berufe, in denen sie später einmal tätig sein möchten, rein zuschnuppern. Damit sie sehen können, wie dieses Umfeld aussieht und um ihnen zu zeigen, dass es ihnen möglich ist, ihre Träume wahr zu machen. Damit sie wissen, dass sie nicht ein abgesondertes Leben leben müssen, dass etwas erreichbar ist, ungeachtet deren Umständen und deren Herkunft.

Mit deiner Organisation Volunteer Mzansi Afrika bietest du einen einmonatigen Freiwilligendienst in Ocean View an. Bezüglich der Probleme, die du angesprochen hast, worin liegt der Sinn, wenn Freiwillige nur für einen Monat in dem Projekt platziert sind?
Ja, es ist eine kurze Zeit, aber zum Beispiel die aktuelle Freiwillige aus Großbritannien hat bloß ein Monat Zeit. Ich denke man darf die Zeit, die die Freiwilligen in den Projekten verbringen nicht unterschätzen. Selbst wenn jemand nur für einen Tag in einer Kinderkrippe hilft, kann man doch in dieser Zeit etwas bewirken. Und jetzt reden wir von vier Wochen, in denen man in der Gemeinde ist. In diesem Zeitabschnitt können Menschen sehr wohl voneinander lernen und nach dem abgeleisteten Monat wollen viele Freiwillige wieder zurückkommen und dann länger bleiben.

Also ist das nicht ein einmonatiger Urlaub, der nur spannender ist als sonst?
Nein, für das Projekt, in dem meine aktuelle Freiwillige arbeitet, hab ich so verzweifelt irgendjemanden gesucht. Natürlich sind vier Wochen kurz, aber dennoch kann man in der Zeit jemanden beeinflussen. Diese Kinder stammen aus einer Gemeinde, in denen sie keine Aufmerksamkeit bekommen, also wird diese Zeit der Freiwilligen einen Unterschied machen. Lieber überhaupt ein Einfluss, als gar keinen Einfluss. 

Südafrika ist eine der beliebtesten Ausreiseländer für Freiwillige, hinter den gepriesenen ideologischen Zielen spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Programme wie weltwärts werden zum Großteil vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Verstärken die Sendeländer ihren Einfluss auf Südafrika, ist das ein Weg einer Art späteren Kolonisation und ist das hier der Fall?
Für mich ist es sehr wichtig, dass das Programm korrekt gefördert wird und ich bin der Meinung, dass kein einseitiger Nutzen entstehen darf. Was mir aufgefallen ist, ist, dass bestimmte deutsche Organisationen ihre Freiwilligen in deutschen Projekten platzieren und sie dann nicht in unsere Gemeinden gehen, sonder nur in der Stadt bleiben. Als wären sie in einem Kokon, zum Beispiel arbeiten sie dann an der deutschen Schule in Kapstadt mit Kindern, die deutsch sprechen. Dann kriegen sie nicht die ganze Realität dieses Landes mit. Ich denke dass Südafrikaner soviel von Europäern lernen können und auch umgekehrt. Aber dieser Austausch muss korrekt gefördert werden, damit es keine, wie du es bezeichnet hast, Art späterer Kolonisation gibt. Dafür aber eine symbiotische Beziehung mit Respekt und Toleranz für die andere Kultur.

Südafrika ist ein Industrie- und Entwicklungsland zur selben Zeit, was passiert, wenn ausländische Leute mit den neuesten Handys und Laptops in solche Gemeinden gehen? Injizieren sie damit nicht die Konsumkultur der westlichen Länder?
Ich würde sagen, das ist eine positive Sache. Denn es ist doch gut nach mehr Wohlstand zu streben. Aber nochmals, diese Art von Förderung muss korrekt durchgeführt werden. Wenn jemand in eine Gemeinde geht, in der die Not groß ist, muss man Respekt davor haben, dass Leute nicht wohlhabend sind. Wenn sie trotzdem mit all diesen Geräten herumspazieren, dann haben sie keine gute Orientierung bekommen. Es ist wichtig, dass sie eine gute Orientierung bekommen und sie den Fakt respektieren, dass es Elendssituationen gibt, und wissen, wie man damit umgeht.

Warum müssen dann Leute aus dem Ausland nach Südafrika kommen, um hier Freiwilligenarbeit zu leisten?
Das Problem in Südafrika im Moment ist die hohe Arbeitslosenquote und in den Gemeinden wie Ocean View haben die Leute noch nicht verstanden, was die Vorzüge einer Freiwilligenarbeit eigentlich sind. Und wenn jemand aus der Gemeinde seiner Familie erzählt, dass er freiwillig arbeiten möchte, dann werden sie ihn fragen: "Wie kannst du nur, du wirst nicht dafür bezahlt?" Für sie macht das keinen Sinn, sie denken, dass man die Zeit lieber dazu nutzen sollte, nach einer Arbeit zu suchen, obwohl es so schwierig ist, etwas zu finden. Mit einer Freiwilligenarbeit macht sich aber anstellbar, man erlernt eine neue Fähigkeit, es ist gut für das Selbstwertgefühl und man entwickelt sich weiter. Südafrikaner haben die Vorteile der Freiwilligenarbeit noch nicht erkannt, es sind immer noch die wohlhabenderen Menschen, die freiwillig arbeiten, nicht die ärmeren.

Das Interview führte Julian Friesinger.
 

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