Interview mit dem österreichischen Ehrengeneralkonsul Otto Stehlik

Erfolg ist eine Reise, kein Ziel. 

Otto Stehlik kann auf eine sehr interessante und ereignisreiche Lebensgeschichte in Südafrika zurückblicken. Als Gründer der größten Hotelgruppe in Afrika, Protea Hotels, und Visionär glaubte er bereits zur Apartheid an den Erfolg und eine gemeinsame Zukunft mit allen Volksgruppen, und dies zieht sich bis zum heutigen Tag durch. Trotz hektischem Terminplan trifft er sich mit mir zum Gespräch und ich bin sofort von seiner ruhigen und ausgesprochen freundlichen und bescheidenen Art angetan.

Sie sind ja bereit 1970 nach Südafrika gekommen. Was hat sie damals dazu bewegt? Man sollte ja meinen, dass Südafrika damals nicht gerade ein Traumland war.

Zu dieser Zeit war Immigration ein sehr starkes Thema für Südafrika, besonders aus Europa nach Südafrika. Ein Teil der Botschaften in Europa waren fast reine Einwanderungsbehörden. Es wurde dafür geworben und von der südafrikanischen Regierung gefördert. Sehr viele meiner Freunde und Bekannten sind damals nach Südafrika ausgewandert. Aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Holland, das waren so die Zielländer. Ich habe damals angesucht und einen Job im Heerengracht Hotel angeboten bekommen. Das war ein neues Fünfsternehotel in Kapstadt und ich habe einen Job als Rezeptionist akzeptiert. Es hat auch geholfen, dass ich damals verheiratet war und ein sechs Monate junges Baby gehabt habe. Denn Südafrika war eben daran interessiert, Europäer aus politischen Gründen hier raus zu bekommen. Wir sind damals mit der Absicht hierher gekommen, dass wir ungefähr zwei Jahre bleiben. Ich hatte auch Jobs auf den Bahamas, Bermudas, in Hongkong und im Mittleren Osten angeboten gehabt. Ich hatte in der Hotelfachschule in Wien studiert und zu dem Zeitpunkt in London im Hyde Park Hotel als Rezeptionsleiter gearbeitet.

Wie kam es, dass Sie dann doch länger geblieben sind, oder sind Sie zwischen durch wieder zurück?

Nein, nein. Glücklicherweise habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht einen Job in Johannesburg im Calton Hotel akzeptiert. Denn jeder hat mir angeraten, dass Kapstadt doch eben die bessere Option ist. Wir haben uns da sehr schnell akklimatisiert in Kapstadt und „lebten glücklich, bis an unser Lebensende“.

Was fasziniert sie so an Südafrika?

Ich aber ich bin doch sehr froh und privilegiert, dass ich auf eine wirklich sehr interessante und ereignisreiche Zeit zurückblicken kann. Zuerst einmal mit der Apartheid in Südafrika zu leben, oder sagen wir, die eine Seite davon mitzuerleben, als Weißer hier in Südafrika, die privilegierte Seite. Der weitaus interessante Teil natürlich ist die Zeit nach der Apartheid, wo ich doch in einer Position bin, wo man einen Unterschied machen kann. Und den Unterschied so auszunützen, dass man die Art von Gesellschaft mitgründet, in der man und auch meine Enkelkinder leben sollen. Man hat hier diese Möglichkeiten, die man in Europa nicht hat, und das macht das Ganze doch viel interessanter. Die Änderungen hier in Südafrika und das Ganze hier mitzuerleben, das ist ja wie großes Theater – wie es kein Besseres gibt. Jetzt auch die Zeit im neuen Südafrika mitzuerleben und die Schwierigkeiten und die Herausforderungen, die Möglichkeiten. Wie schon Jean-Jacques Rousseaus sagte: „Es ist voller Möglichkeiten, die sich brillant als scheinbar unlösbarer Probleme verstecken.“ Und das ist Südafrika. Es ist ein interessantes Land und mir fällt das ja nur so richtig auf, wenn ich in Europa mit jemandem in London oder in Wien sitze und ein Gespräch führe. Wir haben ja so viel mehr zu besprechen hier in Südafrika wie in Europa, wo doch alles irgendwie stabil ist und die Schlagzeilen in Deutschland oder Österreich sind ja alle Erste-Welt-Probleme. Und da fragt man sich schon „Habt ihr nichts Besseres zu tun? Ist das alles?“

Sie haben ja die meiste Zeit Ihres Lebens am Kap verbraucht. Ist Kapstadt nach wie vor etwas Besonderes für Sie?

Ich bin im Großen sehr froh, hier zu sein. Wir waren jetzt in Washington, New York und London und Wien vor Kurzem und seit 44 Jahren ist der beste Teil für mich, hier in Kapstadt zu landen. Kein Zweifel!

Sie haben sich ja recht schnell hochgearbeitet in der Hotelbranche und 1986 die erfolgreiche Protea Hotelgruppe gegründet. Wie kam es, dass Sie dann die Rolle des Ehrengeneralkonsuls in Kapstadt übernommen haben?

Also, erst einmal Erfolg ist eine Reise und kein Ziel. Das ist eines meiner Leitmotive. Man ist nur so gut wie sein nächster Zug. Erfolg ist also relativ.

Das Amt war bereits für einige Jahre im Gespräch, aber ich konnte das aus Zeitgründen nicht machen. Und dann hat doch die österreichische Regierung beschlossen, das Konsulat aus Sparmaßnahmen zu schließen. Die haben auch verschiedene andere Konsulate weltweit geschlossen. Der Botschafter ist damals an mich herangetreten und ich habe gesagt: „Ok, wir machen das zu den und den Konditionen.“ Und die Debbie (seine Sekretärin) macht hier ja die meiste Arbeit, und ja, das funktioniert recht gut.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Arbeit als Ehrengeneralkonsul von der Arbeit eines Generalkonsuls?

Also, erst einmal ist das Generalkonsulat hier eine Ehrenangelegenheit. Das wird in keiner Weise finanziell aus irgendwelchen Regierungsquellen unterstützt. Ich habe doch recht viel Zeit in Österreich verbracht. Ich bin in Österreich geboren, ich bin Österreicher und das ist doch eine Kleinigkeit, um an sein Heimatland zurückzugeben.

Sehen Sie sich inzwischen mehr als Südafrikaner oder sind Sie im Herzen immer noch Österreicher?

Ich bin Südafrikaner. Ich habe beide Nationalitäten. Und ich bin da sehr froh darüber, denn in Österreich ist das nicht so einfach. Und der Arnold Schwarzenegger hat mir damit geholfen. Der hat mir gesagt, wie ich was machen muss. Und natürlich auch Österreicher, da ich in Österreich geboren und zur Schule gegangen bin bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr.

Was sind den hier Ihre Aufgaben im Konsulat?

Also, wir machen keine Visa. Dafür gibt es ein eigenes Visabüro, aber wir sind zum Beispiel für die Beantragung und Verlängerung von Reisepässen zuständig und auch für Notfälle. Es gibt doch immer einige Österreicher, die irgendwie verunglücken oder finanziell in Schwierigkeiten geraten und da wird dann unterstützt. Wir arbeiten mit dem österreichischen Klub mit einigen hundert Mitgliedern sehr eng zusammen und haben auch ein sehr gutes Einvernehmen mit dem deutschen und Schweizer Konsulat. Da gibt es auch regelmäßige Mittagessen und Meetings. Es gibt ja auch ein deutschsprachiges Altersheim – das St Johannis Heim – und wir versuchen da auch, zu helfen.

Welcher beruflichen Tätigkeit genau gehen Sie noch nach und wie bekommen Sie diese mit Ihrer konsularischen Arbeit unter einen Hut?

Ich bin Vorsitzender von der die Dachgesellschaft Protea Hospitality. Das ist doch nicht mehr so sehr leitend, wie es vor einigen Jahren noch war. Und ich habe meine Afrikatrips bereits hinter mir, also 25 Mal Nigeria, und eigentlich wenig Verlangen danach. Und Protea Hotels als Organisation vom Management Standpunkt aus ist doch ziemlich delegiert. Wir haben ja jetzt an Marriott Hotels verkauft. Ich bin jetzt vor Kurzem von Washington zurückgekommen, nach einem sehr positiven Abendessen und Mittagessen mit dem Herrn Marriott. Den gibt es ja. Der ist 82 und geht täglich ins Büro. Die haben viertausend Hotels und haben jetzt Protea Hotels gekauft. Das ist Teil von einer Ausstiegsstrategie und ist ja auch sehr gut für die verbleibenden Leute hier, mit Möglichkeiten, die jetzt wirklich weltweit sind.

Wie beurteilen Sie den Stand der Beziehungen zwischen Südafrika und Österreich?

Also, es gibt sehr viel Interaktion; hauptsächlich mit dem Western Cape. Oberösterreich, Bayern und das Western Cape sind ja auch Partnerprovinzen und dabei gibt es auch sehr viel Gedankenaustausch und auch industrielles Interesse mit Oberösterreich sowie sehr viele Projekte mit Bayern. Und das funktioniert sehr gut. Der Herr Pühringer, der Landeshauptmann von Oberösterreich, ist auch ein sehr großer Südafrikafreund und mit dem stehen wir regelmäßig im Gespräch. Es gibt auch gegenseitiges Interesse und Zusammenarbeit bei der Polizeiausbildung und dem Zivilschutz.

Wie viele Österreicher leben denn genau hier am Kap und welche österreichischen Institutionen gibt es in Kapstadt?

Zurzeit leben circa 5.000 Österreicher im Western Cape und ungefähr 100 Österreicher haben ihr eigenes Geschäft in Kapstadt und Umgebung gegründet. Dann gibt es noch den österreichischen Klub hier. In Johannesburg sind die natürlich viel größer. Dort gibt es den ABC, Austrian Business Club.

Schweben Ihnen bestimmte Projekte vor, die Sie gerne umsetzen möchten? Was sind Ihre wichtigsten Pläne für die Zukunft?

Im Moment planen wir den Umzug des Konsulats. Wir sind noch mindestens zwei Monate im Hotel in Sea Point, aber da wird es dann Neuigkeiten geben. Aber bis auf das deutschsprachige Picknick im März in der Residence des deutschen Botschafters ist zur Zeit nichts Größeres geplant.

von Alexandra Seiler

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Adresse des österreichischen Konsulats: Protea Hotel | Arthur's Road | Sea Point.
Kontakt: Debbie Mulliner | austrianconsulcpt@gmail.com | Tel.: +27 (0)21 430 5133 | Fax: +27 (0)21 430 5333
Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch von 9:00 bis 11:30 Uhr

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