Was ist eigentlich ... Lobola?

Afrikanische Brautpreis-Tradition

Im April 1983 hiess es im Spiegel: "Afrika Großer Glücksfall - Unerschwinglich wie Luxusautos werden Frauen in Afrika - die alte Sitte des Brautpreises ist unausrottbar". Nichts hat sich seitdem geändert. Lobola wird in fast allen Ländern in Afrika praktiziert. Es führt zu Verschuldung und sozialen Ungleichheiten.

Beispiel: Lissom
Lissom Tshuma, 30 Jahre,  geht es wie vielen anderen jungen Männern in Simbabwe. Er kann nicht heiraten. 

Lissom hat eine Freundin und mit ihr gemeinsam zwei Kinder. Doch er kann sich seine Freundin offiziell noch nicht leisten. Wie in den meisten afrikanischen Ländern muss auch er den Brautpreis zahlen - Lobola nennen sie das hier.

Die zukünftige Frau gibt es also nicht umsonst - seine Freundin wird ihn sieben bis zehn Rinder kosten. Ein Rind kostet ungefähr 200 Euro (R2000).
Lehrerinnen oder Krankenschwestern, Frauen mit Bildung, sind besonders teuer. Da eingerechnet wird, dass sie Geld wieder zurück ins Haus bringen. 

"Lächerlich, dieses Lobola" sagen wir Europäer. Lissom sagt "In my culture it is just part of the tradition". Sowieso beginnt fast jeder seiner Sätze mit "In my culture". Lissom ist ein gebildeter junger Mann, arbeitet als Touristenführer im südlichen Afrika. Ich lerne ihn kennen auf einer Tour von Kapstadt, durch Namibia, Botswana bis hin zu den Viktoriafällen in Simbabwe. Er respektiert seine Kultur, stimmt aber auch nicht mit allen Dingen überein.

Aber der Brautpreis ist nunmal ein Garant für die Stabilität der Beziehung und verdeutlicht die Verbindung zwischen den Partnern als auch deren Familien. Ausserdem ist Lobola eine Art Entschädigung der Familie der Braut, die mit der Heirat eine Arbeitskraft verliert. Aber ist die Tochter nicht ohnehin weg, wenn sie in wilder Ehe lebt? Sollte man Tradition nicht überdenken? Lissom meint: "es wäre schon gut, erst zu heiraten und gemeinsam mit der Frau den Reichtum zu erarbeiten und eventuell später die Rinder zu zahlen."

So ist eine Hochzeit in Simbabwe nicht ein Kickstart, sondern eher ein Event zwischendurch in einer Liebesbeziehung. Ausserdem hilft es jungen Männern nicht, die wie Lissom versuchen, aus der vererbten Armut herauszukommen. Tradition...

Wie viele Rinder bin ich wert?
Ich habe studiert und frage Lissom, wieviel er für mich bezahlen müsste. Er sagt: zwischen 20 und 30 Rindern - mich wird er sich niemals leisten können.


von Antonia Heil  |  Fotograf (Bild einzelne Kuh): Desmond Louw


Willst du noch mehr wissen über die Besonderheiten Südafrikas? Durchstöbere unsere Rubrik "Was ist eigentlich...?"

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