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Kapstadt hat rund 4,7 Millionen Einwohner. Nur 40% davon leben in den schönen Gegenden der Stadt, die man von den Postkarten kennt und die jedes Jahr Millionen von Touristen ins Land locken. Die anderen 60% leben in den Townships rund um Kapstadt. Gerade weil die Townships einen so großen Teil ausmachen, ist es wichtig, "auf die andere Seite" zu schauen, um die Stadt wirklich verstehen zu können.
In Südafrika bedeutet Township im Allgemeinen "schwarze Vorstadt" und es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen den schwarzen Townships und den farbigen Gemeinden in Kapstadt. Beides sind Elendsviertel, aber die Geschichte der Rassentrennung durch das Apartheidregime spiegelt sich auch noch im heutigen Südafrika wider.
Must Do in Kapstadt: eine Township-Tour
Ob du in Kapstadt lebst, geschäftlich oder privat zu Besuch hier bist - es ist unmöglich die Townships zu verpassen. Fährt man entlang der N1, die den Cape Town International Airport mit der Innenstadt verbindet, sieht man links und rechts der Autobahn eine Wellblechhütte neben der anderen, kleine Häuser, gebaut aus einzelnen Fetzen.
Während viele die Augen verschließen, kann eine Tour in die Townships einen tieferen Einblick in die Komplexität dieses schönen Landes bieten. Tour-Guide Samantha von Camissa Tours fährt zweimal am Tag Touristen in die Townships Langa und Gugulethu. Samantha ist ihr westlicher Name, ihr Geburtsname ist Xoliswa. Die Sprache der Xhosa verwendet viele Klicklaute, es ist für Westler sehr schwierig diese richtig auszusprechen, erzählt Samantha. Während der Fahrt gibt sie einen kurzen Überblick über die Geschichte Südafrikas, über die Apartheid, die Rassentrennung und die ungewisse Zukunft der Townships in Kapstadt.
Sie tut dies mit Begeisterung und einem Sinn für Humor, ohne dabei auf die Sympathie ihrer Zuhörer abzuzielen. Die Tatsache, dass sie selbst im Township Langa aufgewachsen ist, verleiht ihrer Geschichte zusätzlich Glaubwürdigkeit. Seit dem Ende der Apartheid vor 16 Jahren hat sich vieles zum Positiven hin verändert, sagt sie, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Wasser und Strom in den Townships. Doch "es gibt noch eine Menge zu tun".
"Ich bin stolz, eine Xhosa Südafrikanerin zu sein"
In dem Township Langa leben hauptsächlich Xhosa. Neben den Zulus ist Xhosa der größte Stamm in Südafrika. Xhosas sind starke, stolze Menschen, inner- und außerhalb der Townships. Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Präsidenten Nelson Mandela ist ebenfalls Xhosa. Samantha ist stolz darauf, den Touristen zu zeigen, wo sie herkommt. Sie beginnt die Tour in District Six, wo einst Kapstädter aller Rassen friedlich zusammen leben, bis das Apartheidregime rund 60 000 Menschen in die Townships zwangsumsiedelte. Seitdem liegt Dirstrict Six brach. Und schon während Apartheid weigerte man sich auf Grund des unmenschlichen Verhaltens des Regimes, das Land neu zu bebauen. Heute versucht der Stadtrat von Kapstadt, Mitglieder der ursprünglichen Familien zurück ins District Six umzusiedeln.
Von Langa aus fährt Samantha durch die farbigen Townships Bonteheuwel und Gugulethu, wo das Amy Biel Denkmal steht. Amy Biehl war eine amerikanische Sozialarbeiterin, die 1993 von schwarzen Aktivisten im Township gesteinigt und erstochen wurde, um sich am Apartheidregime zu rächen. Ganz in der Nähe ist auch das Gugulethu 7 Denkmal, 1986 wurden hier sieben Anti-Apartheid-Aktivisten von der Apartheid-Polizei getötet. Dieser Teil der Geschichte Südafrikas bereitet noch heute eine Menge Schwierigkeiten.
Samantha erklärt die feinen Unterschiede zwischen den schwarzen Townships und den farbigen Gemeinden. Farbige Menschen hatten einen etwas höheren Status als schwarze Menschen während der Apartheid in Südafrika: "Sie hatten mehr Privilegien und größere Häuser." So herrscht auch heute noch ein Unterschied zwischen den Rassen. Auf Grund des immensen Unrechts, welches den Menschen während der Apartheid angetan wurde, ist es so schwierig für Südafrikaner, Frieden mit der Vergangenheit und mit sich selbst zu schließen.
Der Tourismus kann den Townships helfen
Samantha denkt, dass die Township-Touren den Menschen helfen können, da alle, die in die Touren mit Camissa involviert sind, finanziell am Gewinn beteiligt werden. 10% des Gewinns den Camissa durch die Touren macht, geht an Langa Morivian Care, eine Vorschule in Langa. Kinder zwischen 1 und 5 Jahren können hier essen, spielen und lernen, während ihre Mütter und Väter bei der Arbeit sind.
"Abelungu", schreien die Kinder. Das bedeutet: "Hier kommen die Weißen". Samantha erklärt, dass diese Kinder nie Weiße zu sehen bekommen, abgesehen von den Touristen. Es ist eine gute Idee, Süßigkeiten oder Spielzeug für die Kinder mitzunehmen, aber behalte im Kopf, dass ca. 120 Kindern auf der Schule sind. Geld solltest du ihnen nicht geben, es sei denn, es handelt sich um eine organisierte Schulpatenschaft. Kinderbetreuung ist eines der größten Probleme in den Townships, daher ist es toll zu sehen, wie gerne die Kinder tanzen und singen und dass sie hier die Möglichkeit haben, in einer sicheren Umgebung zu lernen.
Es wird eine Weile dauern, bis die Welt und auch die Südafrikaner selbst ganz verstehen werden, was wirklich passiert ist in Südafrika. Die Geschichte kann uns wichtige Dinge lehren, vor allem den nachkommenden Generationen, die versuchen, einen Weg nach vorne zu finden, bei dem unterschiedliche Hautfarben keine Rolle spielt. Eine Tour in die Townships kann dich emotional herausfordern, aber es ist wichtig zu wissen, dass die Realität von Kapstadt komplizierter ist, als sie zu sein scheint.
von Inge Abraham und Lize de Kock
Es ist möglich, eine Township-Tour mit einem Besuch auf Robben Island, einer Gospel-Tour oder einem Fußballspiel und einem Braai in den Townships zu kombinieren.
Bist du ein Sprachtalent? Dann lerne die Sprache der Xhosa!
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