Wirklichkeit nach Dale Yudelman

Der Kapstädter Fotograf Dale Yudelman überrascht mit Bescheidenheit und einer super kleinen Kamera

Biografie des Künstlers

In Johannesburg geboren und kaum den Jugendjahren entwachsen, begann Dale Yudelman 1979 seine Karriere als angestellter Fotograf bei ‚The Star‘ – Südafrikas größter Tageszeitung. Gleichzeitig arbeitete Yudelman an einem persönlichen Projekt, welches das Leben in den Vororten von Johannesburg während der Apartheid beschreiben sollte. Nach zehn Jahren Arbeit außer Landes, in London und Los Angeles, kehrte er 1996 in ein demokratisches Südafrika zurück. Seine Fotoserie ‚Reality Bytes‘ und andere Projekte wurden mehrfach in Südafrika, Europa und den USA ausgestellt.

Die Unterstützung seiner Familie war in den ersten Jahren von unschätzbarem Wert

Dale hat die letzten vierzehn Jahre in Kapstadt gelebt und gearbeitet. Sein Lebenslauf weist zahlreiche Ausstellungen und diverse Auszeichnungen auf, die er während seiner Karriere erhalten hat. Der jüngste Höhepunkt war eine Einladung zur Präsentation seiner Arbeit bei der ‚LUMO Photography Triennale‘  in Finnland.

Dales Vater Lou – ein Zahnarzt bei Tage und begeisterter Amateurfotograf bei Nacht – nutzte Dales Schlafzimmer gelegentlich als umfunktionierte Dunkelkammer, um seine Schwarzweiß-Fotografien zu entwickeln: „Ich glaube, der chemische Überrest sickerte in mein eigenes System und besiegelte mein Schicksal, ein serieller Bildermacher zu werden“, witzelt Dale.

Im beeindruckenden Alter von 12 Jahren begann er seinen Vater zu den monatlichen Treffen des ‘Camera Clubs’ von Johannesburg zu begleiten. Die Unterstützung seiner Eltern sowie die positive Resonanz von Mitgliedern des ‘Camera Clubs’ waren von unschätzbarem Wert in den ersten Jahren. Nach der Schule assistierte Dale mehreren kommerziellen Fotografen, deren Leidenschaft für das Fotografieren auf ihn abfärbte. Er sammelte wertvolle Erfahrungen in den verschiedenen Studios, wurde aber immer mehr von der ‚richtigen‘ Welt des Fotojournalismus angezogen. Die Anstellung bei ‚The Star‘ stellte für ihn einen Wendepunkt dar; für die nächsten sechs Jahre bearbeitete er allgemeine Nachrichten und Events.

Er packte abermals seine Koffer und steuerte das sonnige Los Angeles an

1986 wurde der Ausnahmezustand in Südafrika ausgerufen, da gewaltvolle Proteste gegen die Regierung an der Tagesordnung waren – die heftige Zensur der Medien und anhaltende Einschüchterung durch die Behörden ermüdeten Dale und machten es nahezu unmöglich als Fotojournalist zu arbeiten.         
Er hielt es deshalb für vernünftiger, Südafrika zu verlassen. Erste Anlaufstelle war London. Hier arbeitete Dale als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung, was naheliegend war, da er diese Welt kannte. Dale erinnert sich „in eine paparazziartige, aussichtslose Unternehmung involviert gewesen zu sein, nämlich Boy George ausfindig zu machen und zu fotografieren“, ein britischer Sänger und Songwriter, der zu dieser Zeit von der Polizei verhört werden sollte.

Nach sechs Monaten in London packte er seine Koffer erneut, steuerte das sonnige Los Angeles an und begann eine freie Mitarbeit bei der LA Times und diversen anderen Magazinen. Die ‚Stadt der Engel‘ offenbarte Dale Livemusik und die Arbeit von vielen Fotografie-Ikonen wie Duane Michals und Elliott Erwitt. Diese Fotografen zu treffen und ihre Arbeiten zu sehen, war ein für ihn wie ein Traum, der wahr wurde. Eines von Dales Highlights war es, den berühmten Musiker Frank Zappa in dessen Wohnung in den Hollywood Hills zu fotografieren.

„Es ist wichtig, forschend und experimentierfreudig zu bleiben. Ansonsten hält die Langeweile Einzug.“            
Mit dem Versprechen eines Neustarts in ein erneuertes, demokratisches Südafrika, tauschte Yudelman 1996 Tinseltown gegen Kapstadt ein. Es war relativ einfach Arbeit zu finden, da sich eine Reihe von Personen in der Branche an seinen Namen erinnerte – und ein Weltklasse-Portfolio ist ja auch nicht unbedingt hinderlich. Kurz danach begann er Portrait-Fotos und andere Arbeiten für eine mehrere Frauenzeitschriften anzufertigen.

Dale ist dennoch bescheiden: „Ich sehe nichts als selbstverständlich an. Ich habe nie aufgehört, mich selbst anzutreiben, so wie ich es bereits in Kalifornien getan habe, und war immer bestrebt, professionell zu sein – da draußen ist ein ganzes Schiff mit Fotografen beladen, die ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen und man kann leicht vom Nächstbesten in der Warteschlange ersetzt werden. Es ist wichtig, forschend und experimentierfreudig zu bleiben. Ansonsten hält die Langeweile Einzug.“

Im Jahr 1999 begann Dale eine Zusammenarbeit mit der Künstlerin Arlene Amaler-Raviv. Obwohl beide in den 70ern im gleichen Vorort von Johannesburg aufwuchsen, kreuzten sich ihre Wege erst zwei Jahrzehnte später in der Long Street. Durch Gespräche und aufgrund gleicher politischer und sozialer Ansichten fanden beide eine sichtbare, gemeinsame Grundlage und begannen mit der Vermischung von Fotografie und Malerei zu experimentieren.

Ihre erste gemeinsame Ausstellung ‚One‘ wurde 2000 in der AVA Galerie gezeigt und bekam phantastische Rezensionen. Ihre Arbeit kann als ein pulsierendes Aufeinandertreffen von Medien und Gedanken aufgefasst werden, das die Parameter ihrer Kunst erweitert. Nach dem Erfolg dieser Show führten Dale und Arlene ihre gemeinsame Arbeit für die nächsten fünf Jahre fort und nahmen neben verschiedenen Aufträgen auch zwei weitere bedeutende Kunstprojekte, ‚Where the mountain meets the city‘ sowie ‚Livestock‘, welches auf der Havana Bienale in Kuba gezeigt wurde, an.

„Ich glaube, Manipulation beginnt im frühen Stadium des Prozesses“

Dale begann mit der Arbeit an ‚Reality Bytes‘ im Jahr 2004 – von der Autorin Simone Tredoux beschrieben als „eine fortlaufende Serie von Bildern, die ausschlaggebende Momente in einem gemeinsamen Standbild porträtiert – umfassende, fiktive ‚Wahrheiten‘, welche die raue Beschaffenheit wahrhaftiger Momente bewahren, ohne Kompromisse bezüglich Werten und Grundsätzen einzugehen, die bei natürlichen Fotografien erforderlich sind. Angefüllt mit vielsagenden Anspielungen, satirischem Humor sowie gesellschaftlicher Stellungnahme – und das innerhalb eines globalen Gebildes, beabsichtigt diese Sammlung an Bildern die Ablenkung des Geistes von seinem gewöhnlichen Zustand, um den arroganten Geist herauszufordern und zu provozieren. Märchen und Tatsachen vermengen sich zu einer neuen Realität, die dem Auge des Betrachters innewohnt.“

Seine Kameraauswahl für die Arbeit auf den Straßen? Eine kompakte, aber vielseitige Canon G9. Der Beweis dafür, dass du keine große und teure Ausrüstung brauchst, um interessante Bilder zu machen, nur ein künstlerisches Auge: „Ein paar Fotografen der alten Schule gerieten in Aufruhr angesichts meiner experimentellen Herangehensweise“, sagt Dale. Nicht vertritt die gleiche Meinung im Hinblick auf die richtige Darstellung von ‚Wirklichkeit”. „Ich glaube, Manipulation beginnt schon im frühen Stadium des Prozesses –  der einfache Akt der Bildeinstellung – was in den Rahmen einbezogen, beziehungsweise was ausgelassen wird”.

Zur Inspiration wendet sich Dale der Musik der 60er und 70er zu. Außerdem genießt er es – als Teil seiner wöchentlichen Routine, falls der ‚South Easter‘-Wind einmal nicht heult – über den Milnerton Markt zu schlendern: „Ich mag es, Antiquitätenläden und -märkte auf der Suche nach Erinnerungsstücken zu durchstöbern und das zu sammeln, was die meisten Menschen Ramsch nennen.“

Dale Yudelman fotografiert nicht ‚nur‘, er ist auch an Filmprojekten beteiligt. Eindrücke und Informationen findest du unter www.daleyudelman.com

Für die Kunstinteressierten: Hier findet ihr die besten Galerien.


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