Ein ungezwungenes und farbenfrohes Esserlebnis in Kapstadts Foreshore
10 Fragen an Barbara Tofaute
Barbara Tofaute ist Gründerin und Vorsitzende von „Hope and Light Community Welfare“.
45km südöstlich von Kapstadt, in Sir Lowry´s Pass Village, setzt sich die Deutsche Barbara Tofaute für Menschen im Township ein. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit.
1) Wer bist du?
Mein Name ist Barbara Tofaute. Ich unterscheide mich kaum von den vielen anderen Deutschen hier am Kap – mit dem Unterschied, dass mir vor einigen Jahren hier eine spannende neue Aufgabe „zugefallen“ ist.
2) Wann und warum bist du nach Kapstadt gekommen?
Mein Mann bekam als Mitarbeiter der Universität Köln vor 12 Jahren die Möglichkeit, sich für einige Jahre beurlauben zu lassen, und so beschlossen wir, zusammen nach Südafrika zu gehen. Wir hatten das Land bereits mehrfach bereist. Später ist mein Mann noch einmal in den Dienst zurückgekehrt, aber ich bin hier geblieben, um Hope and Light aufzubauen.
3) Genau, du bist Gründerin der Organisation „Hope and Light – Community Welfare“. Wie fing alles an?
Angefangen hat alles im Jahr 2003. Ich war gerade mit dem Auto auf dem Weg in die Stadt. Plötzlich sah ich zwei Frauen, mit Plastiktüten bepackt, am Straßenrand stehen. Ich hielt an und kam mit den beiden ins Gespräch. Sie erzählten mir, dass sie gerade überlagerte Lebensmittel von verschiedenen Geschäften abgeholt hatten, um damit den Kindern im Township Mahlzeiten zu bereiten. Leider seien diese Zuwendungen der Lebensmitteldiscounter aber nur allzu selten. An diesem Tag entstand die Idee, den beiden Frauen mit Hilfe von Freunden und Bekannten nachhaltig zu helfen.
4) Welche Projekte konntet ihr bisher realisieren?
Der Kindergarten „Ons Speelnessie“ war unser erstes Projekt. Hier werden heute etwa 120 Kinder von 10 gut ausgebildeten Lehrerinnen betreut. Danach richteten wir vier Suppenküchen für Kinder ein, von eine speziell auf die Bedürfnisse von HIV-infizierten Personen ausgerichtet ist. Insgesamt geben wir bis zu 10 000 Mahlzeiten pro Monat aus. Als vorerst letztes Projekt kam das im November 2009 eingeweihte „Children Village“ hinzu – ein aus vier Häusern bestehendes Kinderdorf, in dem Waisenkinder sowie misshandelte und vernachlässigte Jungen und Mädchen ein neues Zuhause finden.
5) Inwiefern bist du selbst an den Projekten beteiligt?
Am Anfang habe ich das Essen noch selbst ausgegeben, aber inzwischen ist Hope and Light so gewachsen, dass ich mich mit meinem Team von drei Mitarbeiterinnen überwiegend um organisatorische und strukturelle Aufgaben kümmere. Dazu gehören auch über 200 Patenschaften für Kinder, die wir betreuen. Ins operative Tagesgeschäft eingespannt sind weiterhin bis zu 8 junge Frauen und Männer – als Zivildienstleistende oder freiwillige Mitarbeiter.
6) Was genau motiviert dich, gibt es vielleicht sogar so etwas wie ein Highlight?
Durch meine Arbeit für Hope and Light habe ich Jesus kennen und lieben gelernt. Er gibt mir auch in ausweglosen Situationen immer wieder Mut und Kraft. Darüber hinaus bin ich dankbar für die vielen Menschen, die mich unterstützen, die nicht wegsehen, sondern ihr Herz öffnen für die Not hier im Lande. Und schließlich freue ich mich darüber, dass das, was mir in meiner Arbeit immer wichtig war, nun auch amtlicherseits durch ein entsprechendes Prüfzeugnis bestätigt worden ist: Hope and Light hat seit seiner Gründung im Jahr 2004 den Anforderungen an Transparenz, Gesetzes- und Auflagenkonformität vollumfänglich entsprochen. Ein hilfreicher Navigationspunkt für Spender – gerade in einer Zeit, in der Hilfsorganisationen massiv in der Kritik stehen.
7) Wer unterstützt das Projekt?
Unsere Spender kommen fast ausschließlich aus Deutschland. Das war auch der Grund, weshalb Alfons Schwickert, ein langjähriger Freund aus Deutschland, Hope and Light e.V. mit Sitz in Köln gegründet hat. Er ist für die Abwicklung aller finanziellen Angelegenheiten in Deutschland zuständig. Gelegentlich werden wir auch von Südafrikanern unterstützt, staatlicherseits indes haben wir bisher noch keine Zuschüsse erhalten.
8) Was vermisst du an Deutschland?
In Deutschland kann man sich bei der Leitung einer solchen Organisation weitgehend darauf verlassen, dass Zusagen, Vorschriften und Regeln auch eingehalten werden. Das ist hier in Südafrika leider nicht der Fall und erschwert die Arbeit erheblich. Insbesondere bei der Realisierung der baulichen Projekte wurden uns immer wieder Steine in den Weg gelegt. Dennoch werden wir nicht aufgeben und auch die nächsten Projekte mutig und zuversichtlich angehen: den Bau von Frauenhäusern und Waisenhäuser.
9) Was schätzt du dagegen besonders an Südafrika?
Obwohl die Schere zwischen arm und reich hier extrem groß ist, sind die Menschen unglaublich freundlich und zufrieden – durch alle Schichten hindurch. Davon können wir in Deutschland viel lernen.
10) Was ist dein Hotspot in Kapstadt?
Ein bis zwei Mal im Jahr fahre ich in die „Mother City“, um am Green Market Square einen Milchkaffee zu trinken, durch die Straßen zu schlendern und abzuschalten. Auch den leckeren Flammkuchen im „Paradiso“ in der Kloof Street schätze ich sehr. Oder ich fahre mit einer Freundin an die Waterfront und genieße den Sundowner bei einem Gläschen Sekt. Das ist wie Urlaub für mich, da kann ich richtig auftanken.
Weitere Informationen über Hope and Light findest du hier.
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