Klein, aber fein

Das Internat der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt nimmt bis zu zwölf Schüler auf

Spätestens seit 'Schloss Einstein' stellt sich jeder ein typisches Internat als eine Art Schloss vor, mit langen Gängen, großen Hallen und einer Menge Schülern. Wenn man aber an das Internat der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt (DSK) kommt, wird man eines Besseren belehrt – Internate können auch klein und gemütlich sein. In diesem Fall ist ein grandioser Blick über die gesamte Mother City inklusive.

Als ich auf dem Gelände ankomme, werde ich sofort herzlich von Martina Chill, der Internatsleiterin, empfangen. Wir steuern direkt auf die Küche zu, machen einen Kaffee und setzen uns in das gemütliche Wohnzimmer. Beide Räume wurden vor Kurzem von Nora Keimer renoviert, die hier im Internat ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Bilder und Fotos hängen an der Wand und die Wände sind frisch und hell gestrichen. Hier kann man sich gut von einem stressigen Schultag erholen.

Insgesamt wohnen gerade acht Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren im Internat, zwölf passen insgesamt in die sieben Einzel- und drei Doppelzimmer des Hauses (in einem der Einzelzimmer wohnt Nora, für alle, die jetzt nachrechnen). Die Schüler wohnen unterschiedlich lange im Internat, entweder sechs oder zwölf Monate, "man kann hier aber auch länger bleiben, sein Abitur beenden und dann zurück nach Deutschland gehen", sagt Martina. "Alle Eltern wohnen in Deutschland, das heißt also, dass ich für die Zeit, die ihre Kinder hier sind, die volle Verantwortung habe." Der Job gleicht also manchmal fast einem 24-Stunden-Job, bei dem sie abrufbereit sein muss. Seit 2007 lebt die gebürtige Berlinerin nun schon in Kapstadt und seit Januar 2010 arbeitet sie als Internatsleiterin. "Es ist wunderbar hier auf dem Gelände zu leben, wer hat schon so einen Arbeitsplatz?"

Straffer Schulalltag und spannende Freizeitaktivitäten

Die Jugendlichen werden am Morgen von Martina geweckt, dann geht’s ab zur Schule und der Nachmittag steht dann zur freien Verfügung. "Aber wir haben viele Hausaufgaben auf, sodass manchmal gar keine Zeit zum Entspannen ist", meint Eva-Maria Meier, die zusammen mit den anderen im Internat lebt. "Aber am Wochenende unternehmen wir natürlich etwas. Wir haben schon eine Menge angeschaut, aber könnten natürlich noch mehr sehen", ergänzt ihre Freundin Sina Kleeberg.

An den Wochenenden gibt es für die Schüler unterschiedliche Möglichkeiten: "Ich drucke viele Artikel von KapstadtMagazin.de aus und hefte sie dann an die Pinnwand, so können sich die Kids selbst ein Bild davon machen, was es alles zu entdecken gibt", so Martina. Die Schüler können dann Vorschläge bringen, was sie unternehmen wollen und wenn genug zusammenkommen, geht es ab in den Schulbus und 'on the road'. So kommen unterschiedliche Touren, beispielsweise in ein Township oder zum Cape Point, zustande.

Wer zuhause bleiben möchte, kann auf den Schulswimmingpool, den Tennisplatz oder die Turnhalle zurückgreifen oder in die Stadt gehen. "In der Woche können die Schüler bis 20 Uhr draußen bleiben, am Wochenende bis 23 Uhr", meint Martina. Das sind zwar nicht unbedingt die Zeiten, die sich Teenies wünschen, aber ohne feste Regeln geht ein Internatsleben wohl nie vonstatten. Trotzdem: "Es ist eine einmalige Chance für die Schüler, hier Englisch zu lernen und selbstständiger zu werden. Ich würde das jedem empfehlen", sagt Martina.

Zum Schluss gehen wir noch eine Runde über den Schulcampus und ich stimme mit Martina überein, dass ein Schülerleben in Kapstadt doch wirklich einmalig sein muss – die lästigen Pflichten wie Hausaufgaben und Prüfungen natürlich ausgeklammert, aber da müssen wir wohl alle einmal durch.

von Anne Wallrabe

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