Ein ungezwungenes und farbenfrohes Esserlebnis in Kapstadts Foreshore
Verflixtes Hermanus
1,2,3 mal sollte es nicht sein
Wale beobachten: Das ist ein Traum von mir, wie mit dem Motorrad durch Kuba zu fahren, eine Woche lang eine Backwaren-Flatrate zu haben oder an einem Parabelflug teilzunehmen. Zugegeben, die anderen Träume sind etwas größer, aber Wale beeindrucken mich trotzdem.
Ich bin eigentlich echt kein Wasserfan – ekele mich vor Algen, Quallen und selbst vor süßen Fischen, die sachte meine Beine streichen. Ich hab großen Respekt vor der Unterwasserwelt. Aber ich wollte verdammt noch mal Wale sehen!
Zu fünft haben wir uns nach Hermanus aufgemacht. Mit extra leeren Mägen saßen wir im Auto, um uns auf unserem geplanten Whale-Watching-Boat-Trip bloß nicht übergeben zu müssen. Die Sonne hat gestrahlt. Wir alle waren bester Dinge und haben uns die zweistündige Fahrt mit dem Singen von plattdeutschen Liedern versüßt.
Schluss mit dem voreiligen Staunen
Als wir in dem ungefähr 25.000 Einwohner großen Städtchen ankamen, sollte die nächste Bootfahrt fünf Minuten später starten. Von den beiden Anbietern vorort gefiel uns allerdings das Boot, das noch freie Plätze für uns gehabt hätte, nicht. Und unser Favoriten-Boot war leider ausgebucht. Was blieb uns also anderes, als zu warten, um zwei Stunden später das schnellere Sportboot nehmen zu können?
Wir haben uns an den Strand gesetzt und schon einige Kostproben bekommen. Beim ersten Wal, den wir weit weg am Horizont entdeckt haben, kam noch ein lautes, aufregendes Quicken aus uns allen heraus. Etwa so wie wenn ein Kind sich freut, wenn Opa mal wieder Kaspertheater spielt. Es war wirklich imposant, die Wale in der Ferne spielen zu sehen – aber wir dachten alle nur daran, dass es später vom Boot aus noch viel abenteuerlicher sein würde. Also Schluss mit dem voreiligen Staunen...
Wir konnten den Hals nicht voll genug bekommen
Zwei Stunden später zurück am Bootsstand wurde uns ganz trocken berichtet, dass der Wind sich leider gedreht habe, und unsere gebuchte Bootstour gecancelt sei. Das konnte nicht wahr sein. Es konnte nur die Strafe für unsere arrogante Haltung sein, dass wir das eine Boot nicht nehmen wollten, nur weil es nicht ganz so sportlich aussah, wie wir es uns in unseren Träumen ausgemalt hatten. Deprimiert sind wir zurück nach Kapstadt gefahren. Im Auto wurde nicht mehr gesungen und nur das Nötigste gesprochen. Allerdings ist die gute Stimmung zurückgekehrt, als einer von uns den Vorschlag gemacht hat, in Campsbay den Sonnenuntergang anzuschauen.
Eine Woche später. Nächster Versuch. Diesmal sind wir extra um 6 Uhr aufgestanden, um möglichst viel vom Tag zu haben. Wir sind über den traumhaften Chapman`s Peak Drive – eine neun Kilometer lange Küstenstraße – nach Fischhoek gefahren. Von dort aus ging es weiter ins unheimlich süße Fischerdörfchen Simons Town. Wir konnten nicht lange in den Ortschaften verweilen, weil wir pünktlich in Hermanus sein mussten. Wir waren aber sowieso nicht so aufnahmefähig, da nur die Wale in unseren Köpfen herumschwirrten. Weiter ging`s noch schnell zum Boulder`s Beach, um die kleinen Brillenpinguine zu besuchen. Als wir gerade dabei waren, einen Plan auszuhecken, wie wir die süßen Vögel mit nach Hause nehmen könnten, rief der Bootsanbieter aus Hermanus an, dass die Tour leider wieder gecancelt sei. Das konnte nicht angehen. So windig empfanden wir es gar nicht.
Affentheater
Also suchten wir nach einer schnellen Planänderung. Unser Ziel hieß jetzt: Kap der Guten Hoffnung. Und es war wunderbar dort. Während wir die Felsen hinaufstiegen, konnten wir einsehen, dass die Whale-Watching-Tour abgesagt wurde. Es war so windig, dass wir teilweise wie Krebse über das Kliff gekraxelt sind, um dem Sturm nicht zu viel Angriffsfläche zu schenken. In dem sehenswerten Naturreservat haben wir auf dem Rückweg noch eine große Straußenfamilie und um die 20 Paviane gesehen. Wir hatten das Gefühl, dass uns die Affen eine aufregende Show vorgeführt haben. Bestimmt eine Dreiviertelstunde, saßen wir staunenderweise im Auto und haben der Bande beim Spielen zugesehen.
Auf dem Rückweg nach Kapstadt haben wir noch beim Drachenfest in Muizenberg vorbeigeschaut. Ich glaube, dass ich selten so viele unterschiedliche Dinge an einem Tag unternommen habe! Trotzdem wollten wir ja eigentlich Wale sehen.
Alle guten Dinge sind drei
Eine Woche später. Nächster Versuch. Wieder haben wir uns zu fünft nach Hermanus aufgemacht. Diesmal waren wir uns sicher, dass es klappen würde, zumal uns der Bootsanbieter eine große Chance ausgemalt hatte, dass der Wind uns diesmal keinen Strich durch die Rechnung ziehen würde. Und außerdem sind alle guten Dinge drei. Als wir gerade das Ortsschild Hermanus passiert hatten, klingelte doch tatsächlich das Handy. Das konnte nicht angehen. Der Wind hatte sich wieder gedreht und der Trip konnte nicht realisiert werden. Diesmal war es wirklich nicht mehr lustig. Anscheinend soll es so sein. Wenigstens haben wir an unserem ersten Tag in Hermanus ein paar Schwanzflossen in der Ferne gesehen.
Von Jana Lüdtke
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